MII IG Kerndatensatz-Modul Lungenfunktion
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Anleitung für Implementierende

Diese Seite richtet sich an Datenintegrationszentren und Implementierende. Sie beschreibt, wie das Modul Lungenfunktion im Gesamtkerndatensatz verortet ist, welche Inhalte es bewusst aus anderen Modulen nachnutzt und auf welchen Standards es beruht.

Kontext im Gesamtprojekt

Lungenfunktionsuntersuchungen gehören zu den am häufigsten durchgeführten funktionsdiagnostischen Verfahren und bilden eine wesentliche Grundlage für Diagnosestellung, Therapieentscheidung und Verlaufskontrolle bei pneumologischen Erkrankungen sowie für Forschungszwecke. Die Messwerte selbst sind durch internationale Standards (ATS/ERS) weitgehend vereinheitlicht; die Art ihrer Speicherung ist es nicht. An den Standorten liegen die Daten typischerweise in proprietären Formaten der jeweiligen Messplatzsysteme, in nachgelagerten Befunddokumenten oder ausschließlich als PDF vor. Ein umfassender Überblick über die Verfügbarkeit strukturierter Lungenfunktionsdaten an den Konsortialstandorten liegt derzeit nicht vor. Das Modul trägt dem Rechnung, indem die einzelnen Funktionstests unabhängig voneinander implementiert werden können und eine abgestufte Bereitstellung entsprechend der vorhandenen Datenlage möglich ist.

Eine Besonderheit des Moduls ist, dass die Interpretierbarkeit der Messwerte unmittelbar von Daten abhängt, die außerhalb des Moduls verwaltet werden: Sollwerte und Z-Scores werden aus Alter, Geschlecht, Körpergröße und Ethnie berechnet, die Diffusionskapazität wird über den Hämoglobinwert korrigiert. Die Bezüge zu den Basismodulen sind daher nicht nur organisatorischer Natur, sondern fachlich zwingend.

Nachgenutzte Inhalte

Das Modul definiert bewusst keine eigenen Profile für Inhalte, die bereits andernorts spezifiziert sind, sondern nutzt diese nach:

Inhalt Ressource Herkunft
Demografische Daten Patient Modul Person, erweitert um Ethnie
Vitalparameter / Körpermaße Observation ISiK bzw. Modul ICU
Blutgase, arteriell (kapillär) Observation Modul Labor
Risikofaktor Rauchverhalten Observation —
Risikofaktor Allergie AllergyIntolerance —

Diese Angaben sind keine Beiwerke: Körpermaße, Alter, Geschlecht und Ethnie gehen unmittelbar in die Berechnung der Sollwerte ein und sind damit Voraussetzung für eine belastbare Interpretation der Messwerte.

Bezüge zu anderen Modulen

Modul Person

Die Zuordnung von Lungenfunktionstests zu einer Patientin oder einem Patienten erfolgt über Referenzen vom Lungenfunktionstest (DiagnosticReport), von der Lungenfunktionsmessung (Procedure) sowie von den Messergebnissen (Observation) auf das Modul PERSON. Darüber hinaus liefert das Modul PERSON mit Geburtsdatum und Geschlecht zwei der Eingangsgrößen für die Sollwertberechnung. Für die Ethnie, die für die Referenzwertermittlung (z. B. nach GLI) benötigt wird, im Basismodul jedoch nicht abgebildet ist, sieht das Modul Lungenfunktion eine Erweiterung der Ressource Patient vor.

Modul Fall

Die Zuordnung eines Lungenfunktionstests zu einem Behandlungsfall erfolgt über Referenzen vom Lungenfunktionstest (DiagnosticReport) und von der Lungenfunktionsmessung (Procedure) auf das Modul FALL. Es sollte stets eine Referenz auf den jeweiligen Behandlungsfall mitgeführt werden, um den Kontext der Untersuchung — etwa ambulante Verlaufskontrolle, präoperative Diagnostik oder stationäre Abklärung — herstellen zu können.

Modul Labor

Die arterielle bzw. kapilläre Blutgasanalyse wird nicht eigenständig profiliert, sondern über die Observation-Profile des Moduls LABOR abgebildet und aus dem Lungenfunktionstest referenziert. Gleiches gilt für den Hämoglobinwert, der zur Korrektur der Diffusionskapazität (DLCOcSB, KCOcSB) herangezogen wird. Damit wird sichergestellt, dass laborseitig erhobene Werte nur einmal und nach den dort geltenden Vorgaben abgebildet werden.

Module ICU und ISiK

Vitalparameter und Körpermaße — insbesondere Körpergröße und Körpergewicht als Eingangsgrößen der Sollwertberechnung — werden über die bestehenden Observation-Profile aus ISiK bzw. dem Modul INTENSIVMEDIZIN übernommen und aus dem Lungenfunktionstest referenziert.

Modul Diagnose

Lungenfunktionstests dienen der Sicherung, Klassifikation und Verlaufsbeurteilung pneumologischer Diagnosen. Über eine Referenz auf das Modul DIAGNOSE lässt sich die Untersuchung mit der zugrunde liegenden Fragestellung bzw. der resultierenden Diagnose verknüpfen — etwa bei der Schweregradeinteilung einer COPD anhand des FEV-1-Werts oder bei der Asthmadiagnostik über die Reversibilitätstestung.

Modul Prozedur

Die Durchführung der Untersuchung wird innerhalb des Moduls durch die Lungenfunktionsmessung (Procedure) abgebildet. Diese ist mit dem Modul PROZEDUR kompatibel gehalten, sodass die Untersuchung auch über die dort vorgesehene Kodierung (OPS, SNOMED CT) im übergreifenden Prozedurenkontext auffindbar bleibt.

Modul Medikation

Bei der Broncho-Provokationstestung und der Reversibilitätstestung ist die verabreichte Substanz konstitutiver Bestandteil des Tests. Über einen Bezug auf das Modul MEDIKATION können Provokationssubstanz und Bronchodilatator einschließlich Dosierung als Medikamentenverabreichung (MedicationAdministration) abgebildet werden. Ergänzend ist die bestehende Dauermedikation relevant, da inhalative Therapien die Messergebnisse beeinflussen und für deren Bewertung mitgeführt werden sollten.

Abgrenzung zu weiteren Modulen

Subjektiv wahrgenommene Einschränkungen der Atmung (PROMs) sowie schlafmedizinische Aspekte sind nicht Gegenstand dieses Moduls, sondern werden in eigenen, derzeit in Entstehung befindlichen Modulen verortet. Die Integration bereits vorhandener Daten erfolgt jeweils gemäß den Vorgaben des zuständigen Moduls und wird hinsichtlich Eignung und Vollständigkeit für den Bereich Lungenfunktion geprüft.

Referenzen

Das Kerndatensatzmodul Lungenfunktion orientiert sich an den gängigen technischen Standards medizinischer Lungenfunktionsmessung. Es bezieht sich dabei auf Messverfahren, deren Messwerte durch die European Respiratory Society und die Deutsche Atemwegsliga anerkannt sind.

Die verwendeten Codesysteme, Terminologien und Referenzen für Prozeduren, Diagnosen, Medikation und verwandter medizinischer Fragestellungen sind:

Es wurde außerdem die Kernspezifikation von HL7 FHIR verwendet — darunter insbesondere die entsprechenden Ressourcen DiagnosticReport, Procedure und Observation.

Die vorliegende Spezifikation wurde gestaltet auf Basis der Beschreibung des MII-Kerndatensatzes in der Version vom 10.03.2017 (PDF).

Die MII-weiten Namenskonventionen für FHIR-Ressourcen werden zentral im Kerndatensatz-Wiki gepflegt und hier nicht wiederholt.