MII Implementation Guide Microbiology
2027.0.0-ballot2 - Germany

MII Implementation Guide Microbiology - Local Development build (v2027.0.0-ballot2) built by the FHIR (HL7® FHIR® Standard) Build Tools. See the Directory of published versions

Interpretation

Ein Empfindlichkeitsergebnis trägt zwei verschiedene Aussagen: was gemessen wurde und wie diese Messung bewertet wird. Das Modul hält beides auseinander.

Messwert und Bewertung

Observation.value[x] trägt die Messung — eine minimale Hemmkonzentration in mg/L oder einen Hemmhofdurchmesser in mm.

Observation.interpretation trägt die Bewertung: die Kategorie, in die der Messwert fällt, zusammen mit der Norm, aus der sie abgeleitet wurde.

Nicht jedes Labor misst. Liegt nur die Kategorie vor, wird sie als CodeableConcept in value[x] angegeben — das europäische Datenmodell legt das ausdrücklich so fest, und eine Observation ganz ohne Wert wäre die unüblichere Gestalt. Zwei Invarianten halten das eindeutig:

  • empfindlichkeit-kategorie-braucht-interpretation — eine Kategorie in value[x] verlangt eine interpretation, weil die Norm dort hängt und eine Kategorie ohne ihre Norm nichts aussagt.
  • empfindlichkeit-kategorie-stimmt-mit-interpretation — sind beide angegeben, muss jeder Code des Werts auch unter den Interpretations-Codes vorkommen.

Ein Konsument liest die Kategorie damit in jedem Fall aus interpretation, und value[x] sagt ihm, ob ein Messwert dahintersteht.

Der umgekehrte Fall — ein Messwert ohne Kategorie — wird von empfindlichkeit-messwert-sollte-bewertet-sein als Warnung gemeldet und nicht abgelehnt. Eine nackte MHK lässt die Bewertung beim Konsumenten, der dafür die Grenzwerttabellen bräuchte. Eine Pflicht wäre aber falsch: Für manche Erreger-Substanz-Kombinationen sind keine Grenzwerte definiert, und dann gibt es keine Kategorie, die man angeben könnte.

Die Kategorien

Code Bedeutung
S sensibel
I intermediär
SDD sensibel, dosisabhängig
R resistent
NS nicht sensibel

EUCAST hat I im Jahr 2019 neu definiert als sensibel bei erhöhter Exposition. Wo diese Lesart gemeint ist, drückt SNOMED CT 1306583007 sie ausdrücklich aus, statt I mehrdeutig zu lassen.

Die Norm, auf der die Bewertung beruht

Eine Kategorie ist ohne die zugrunde liegenden Grenzwerte bedeutungslos: dieselbe MHK ist unter der einen Norm sensibel und unter der anderen resistent, und Grenzwerte ändern sich von Jahr zu Jahr.

Die Norm hängt deshalb an der Bewertung, nicht an der Observation — Observation.interpretation.extension, verpflichtend. Da interpretation 0..* ist, kann eine einzige gemessene MHK eine EUCAST- und eine CLSI-Kategorie nebeneinander tragen, jede mit ihrer eigenen Norm. An der Observation hängend wäre das nicht möglich.

Die Norm wird aus dem moduleigenen CodeSystem kodiert: EUCAST, CLSI, Andere.

Die voraussichtliche Empfindlichkeit ist eine andere Aussage

Eine aus einem Resistenzmechanismus abgeleitete Empfindlichkeit — ein Gen, eine Mutation oder ein Protein wurde gefunden, also ist Resistenz zu erwarten — ist nicht dieses Profil. Sie hat keinen Messwert und gehört zur Voraussichtlichen Empfindlichkeit, deren Ergebnis die erwartete Kategorie selbst ist. Die Ableitung ist bewusst technologieoffen: ein per Lateral Flow nachgewiesenes PBP2a-Protein trägt sie ebenso wie ein per PCR gefundenes mecA-Gen. Siehe Profilauswahl und Abgrenzung.

Dieselbe Grenze gilt für den zielgerichteten Nachweis eines resistenten Erregers: ein MRSA- oder VRE-Nachweis sagt, welcher Erreger gefunden wurde, nicht wie empfindlich er ist, und gehört zu den Bestimmungs- oder Kulturprofilen.

Weitere Bewertungen in diesem Modul

interpretation ist nicht auf die Empfindlichkeit beschränkt. Die Keimzahl trägt eine semiquantitative Einordnung des Messwerts, die Aviditätsbestimmung trägt niedrig, grenzwertig oder hoch — L und H aus der Liste, die der Parent bindet, und für die Mitte derselbe SNOMED-Code, den dieser Leitfaden auch sonst für einen grenzwertigen Befund verwendet. Das Muster ist jedes Mal dasselbe: der Wert bleibt gemessen, die Bewertung bleibt getrennt.