MII Implementation Guide Microbiology
2027.0.0-ballot2 -
Germany
MII Implementation Guide Microbiology - Local Development build (v2027.0.0-ballot2) built by the FHIR (HL7® FHIR® Standard) Build Tools. See the Directory of published versions
Observation.methodNachweis, Empfindlichkeitstestung und Klassifikation sind unterschiedliche diagnostische Aussagen und werden in diesem Modul über unterschiedliche Profile abgebildet. Diese Seite beschreibt die Abgrenzung, die Darstellung negativer Ergebnisse und die Verknüpfung der Untersuchungen zu einer diagnostischen Kette.
Kernsatz: Ein negatives Ergebnis eines zielgerichteten Erregernachweises wird unabhängig vom Verfahren über Spezifische Bestimmung bzw. Spezifische Kultur abgebildet. MRGN-Klassifikation und Resistenzkategorie-Status setzen dagegen einen bereits nachgewiesenen Erreger voraus und ersetzen keinen Nachweistest.
Dass ein Profil unter mehreren Bereichen auftaucht, ist Absicht. Das Modell ist
methodenneutral: wie eine Untersuchung durchgeführt wurde, steht in
Observation.method und nicht in der Wahl eines anderen Profils. Die Spezifische
Bestimmung bedient deshalb die molekulare Bank und die Serologie gleichermaßen.
Kultur
Molekular
Serologie
Bereichsübergreifend
Ein Profil wird durch die Fragestellung und den Ergebnistyp bestimmt, nicht durch das Verfahren. Deshalb fällt die Antwort bei qualitativen und quantitativen Ergebnissen unterschiedlich aus, was auf den ersten Blick inkonsequent wirkt:
Detected /
Not detected —, gleich ob das Ziel per PCR oder per Immunoassay gefunden
wurde. Ein Profil genügt; Observation.method nennt das Verfahren.Die Regel ist also jedes Mal dieselbe; nur die Zahl der unterscheidbaren Ergebnisräume ist verschieden.
41852-5 |Microorganism or agent identified in Specimen| ist in der
Allgemeinen Kultur
ebenso zulässig wie in der
Allgemeinen Bestimmung,
und das europäische Datenmodell führt ihn für beide als preferred. Das ist kein
Versehen, sondern folgt aus dessen Grundsatz: Das Verfahren gehört nach
Observation.method, ein Testcode sagt daher, wonach gesucht wurde, und schweigt
darüber, wie. Ein methodenneutraler Code passt dann auf den kulturellen und den
nicht kulturellen Weg gleichermaßen.
Unterscheidbar bleiben die beiden Profile über zwei voneinander unabhängige Achsen, von denen keine einen einzigen Code mit der anderen teilt:
| Allgemeine Kultur | Allgemeine Bestimmung | |
|---|---|---|
| Die Fragestellung | wächst überhaupt etwas? | welcher Organismus ist es? |
value[x] |
365698005 Organism growth, 264868006 No growth, 280414007 Equivocal result, required gebunden |
ein Organismus aus dem Organismen-ValueSet oder 260415000 Not detected |
Observation.method |
703750006 aerobe, 703751005 anaerobe, 702658000 nicht näher bestimmte Kultur |
278289002 Mikroskopie, 83581000052107 MALDI-TOF, 258083009 visuelle Einschätzung, 1304162005 Sequenzierung |
Beide Elemente sind im Labor-Basisprofil optional. Die Allgemeine Kultur macht die
Methode deshalb genau für den Code zur Pflicht, der sie braucht: Das Invariant
allgemeine-kultur-method-with-neutral-code verlangt Observation.method, sobald
code gleich 41852-5 ist. Die Pflicht hängt am Code, der die Mehrdeutigkeit
auslöst, und nicht am Element — bei 11475-1 nennt der Code das Verfahren selbst,
die Methode fügt nichts hinzu. Die Allgemeine Bestimmung braucht kein Gegenstück,
weil die Asymmetrie bereits entscheidet: Eine Untersuchung mit 41852-5 und ohne
Methode kann keine gültige Kultur sein, also ist sie eine Bestimmung.
Darüber hinaus empfiehlt dieses Modul den Code, der seine Methode mitführt, wo es
einen gibt: 11475-1 |Microorganism identified in Specimen by Culture| für die
Kultur, 41852-5 für die Bestimmung. Ein Empfänger liest die Art der Aussage dann am
Code ab und muss nicht erst Ergebnis oder Methode auswerten. Diese Empfehlung steht
am code-Element des jeweiligen Profils und wird, anders als das Invariant, nicht
erzwungen.
Überall sonst bevorzugt dieses Modul Untersuchungscodes, die das Material
weglassen, und lässt es von Specimen.type tragen. Die Serologie ist davon
bewusst ausgenommen. Die HL7 EU Lab Semantic Workgroup nennt den Grund:
In comparison with culture techniques, far fewer specimen types are involved in serology. The majority of specimens are serum-based. Therefore, we allow pre-coordination of the specimen in the code.
Das Argument gegen Präkoordination ist die Codeexplosion — ein Kulturcode multipliziert mit jeder Körperstelle. In der Serologie fehlt dieser Multiplikator, der Preis entfällt also, und die Konvention kauft nichts mehr ein.
Die Ausnahme gilt für Titer, Avidität, Antigen/Antikörper quantitativ und die serologische Anwendung der Spezifischen Bestimmung — jenes Profil bedient auch die molekulare Bank, wo die Konvention weiter gilt, die Ausnahme hängt dort also an der Anwendung und nicht am Profil.
Eine Specimen-Ressource wird trotzdem in jedem Fall erwartet; Ballotfrage 1 bleibt
davon unberührt. Die Ausnahme erlaubt einen Untersuchungscode, der Serum benennt
— sie erlaubt nicht, Observation.specimen leer zu lassen.
Eine weitere Eigenheit der serologischen Befundung ist zu kennen: Die Diagnose
ergibt sich häufig erst aus mehreren Ergebnissen zusammen und nicht aus einem
einzelnen. Diese Aussage gehört in DiagnosticReport.conclusion — siehe
Befundbericht.
Observation.methodDie HL7 EU Lab Semantic Workgroup führt das als Grundsatz und formuliert es schärfer, als man erwarten würde:
The LOINC-axis "method" should be omitted completely. […] Even if the method is pre-coordinated in the LOINC-Code the recommendation is to always represent the method consistently in
Observation.methodusing SNOMED CT.
Die Methode ist also auch dann anzugeben, wenn der Untersuchungscode sie bereits
trägt — eine Kultur unter 11475-1 |… by Culture| soll trotzdem sagen, ob aerob
oder anaerob bebrütet wurde. In der Mikroskopie ist die Färbung nicht Teil der
Methode: Sie steht in
extension[faerbung], auch
wenn der Untersuchungscode sie nennt, und Observation.method trägt das
Mikroskopieverfahren.
Dieser Leitfaden hält das als Empfehlung fest, nicht als Pflicht.
Observation.method ist im Labor-Basisprofil 0..1 Must Support, und eine
modulweite Pflicht würde heute konforme Daten ungültig machen. Erzwungen wird sie
an der einen Stelle, an der die Aussage sonst mehrdeutig ist: bei der Allgemeinen
Kultur mit dem methodenneutralen Code 41852-5.
Ballotfrage 5 — können Sie zu jedem Befund Observation.method liefern?
Die HL7 EU Lab Semantic Workgroup verlangt es immer, dieser Leitfaden empfiehlt
es nur. Wäre eine Pflicht an Ihrem Standort erfüllbar?
Aus einem Ja folgt zweierlei. Eine spätere Version kann Observation.method auf
1..1 heben, und das Sonderinvariant der Allgemeinen Kultur wird überflüssig —
41852-5 samt Methode ist dann überall eindeutig, und die Empfehlung, den
methodentragenden 11475-1 zu bevorzugen, entfällt weitgehend.
Mikroskopie und Bestimmung beantworten beide „welcher Organismus", kreisen ihn aber unterschiedlich eng ein. „Grampositive Kokken gesehen" ist eine taxonomische Aussage — sie schränkt den Organismus auf eine Klasse ein, statt ihn zu benennen. Was Allgemeine Mikroskopie und Allgemeine Bestimmung trennt, ist deshalb die Granularität und nicht die Achse.
Das ist kein Bild. In SNOMED CT ist die Antwort der Mikroskopie buchstäblich ein Vorfahre der Antwort der Bestimmung — am 2026-09-10 nachgemessen:
59206002 |Gram-positive coccus| subsumiert 3092008 |Staphylococcus aureus|
Daraus folgt eine Konsequenz, die man kennen sollte. SNOMED führt
(finding)-Codes nur für die angeordneten Formen — in chains, in clusters,
in pairs —, während die nackten Morphologien nur als (organism) existieren:
59206002, 18383003 |Gram-negative coccus|, 83514008, 87172008. Diese vier
sind Nachkommen von 409822003 |Bacteria domain| und damit auch Mitglieder des
Organismen-ValueSets — sie sind also ebenso gültige Werte der Allgemeinen
Bestimmung.
Für einen Konsumenten folgt daraus eine Regel: Die Granularität steht im Profil
oder im Untersuchungscode, nie in value[x] allein. Eine Abfrage nach
identifizierten Organismen, die nur den Wert filtert, bekommt auch
Morphologiegruppen aus der Mikroskopie. Die Untersuchungscodes sind disjunkt — die Mikroskopiecodes gegen 41852-5 —, eine Mehrdeutigkeit entsteht also
nicht; nur eine nachlässig geschriebene Abfrage bekommt mehr, als sie erfragt hat.
Eine Speziesidentifizierung gehört nie in die Mikroskopie, auch wenn sie am Mikroskop gestellt wurde.
| Fragestellung | Profil | Observation.code |
Observation.value |
|---|---|---|---|
| Ist ein vordefiniertes Ziel nachweisbar? (nicht kulturell) | Spezifische Bestimmung | LOINC-Nachweistest, z. B. 105904-7 |
Detected / Not detected |
| Ist ein vordefinierter Mikroorganismus da, kulturell gesucht? | Spezifische Bestimmung | LOINC-Kulturtest, z. B. 13316-5 |
Organism growth / No growth |
| Ist ein Resistenzgen nachweisbar? | Resistenzmechanismen / Determinanten | LOINC-Determinante, z. B. 48813-0 |
Detected / Not detected |
| Wie empfindlich ist ein identifiziertes Isolat gegen eine Substanz? | Empfindlichkeit | LOINC [Susceptibility], z. B. 29258-1 |
MHK als Quantity, Bewertung in interpretation (S / I / R) |
| Welcher MRGN-Klasse ist ein identifiziertes gramnegatives Isolat zuzuordnen? | MRGN-Klasse | 99780-9 |
Klassifikationswert, z. B. 3MRGN, oder keine-mrgn-klasse |
| Erfüllt ein nachgewiesener Erreger die Kriterien einer definierten Resistenzkategorie? | Resistenzkategorie-Status | mrsa-status, vre-status, lre-status, lvre-status (MII) |
Positive / Negative |
Die Untersuchung liefert das negative Ergebnis des konkret durchgeführten Nachweistests.
VRE-Nachweis mittels Kultur, negativ:
mii-exa-mikrobio-spezifische-kultur-vre-negativ
VRE-Nachweis molekular bzw. methodenneutral kodiert, negativ:
mii-exa-mikrobio-spezifische-bestimmung-vre-negativ
Davon zu unterscheiden ist der Fall, dass ein gramnegatives Isolat identifiziert und dessen Empfindlichkeitstestung bewertet wurde, es aber keiner MRGN-Klasse zuzuordnen ist. Dies ist eine negative Klassifikation und wird über den Wert keine-mrgn-klasse des CodeSystems mii-cs-mikrobio-mrgn-ergebnis abgebildet:
mii-exa-mikrobio-mrgn-klasse-negativ
Die LOINC-AnswerList zu 99780-9 enthält ausschließlich 2MRGN, 3MRGN und 4MRGN und damit keinen Negativwert; der MII-eigene Code schließt diese Lücke.
Wieder anders gelagert ist die Bewertung eines vorliegenden Erregers hinsichtlich einer Resistenzkategorie:
mii-exa-mikrobio-resistenzkategorie-vre-negativ
Negative bedeutet: Ein nachgewiesener Erreger wurde anhand der für die in code genannte Kategorie relevanten Untersuchungen ausreichend bewertet und erfüllt deren Kriterien nicht. Es bedeutet ausdrücklich nicht, dass kein Erreger nachgewiesen wurde, dass keine Resistenz vorliegt oder dass keine ausreichende Diagnostik erfolgte.
Kann die Kategorie nicht ausreichend bewertet werden, wird nicht Negative angegeben, sondern dataAbsentReason gesetzt oder gar keine Status-Observation erzeugt.
Die drei Fälle im direkten Vergleich, jeweils für VRE:
| Aussage | Profil | code |
value |
|---|---|---|---|
| VRE wurde kulturell gesucht und nicht gefunden | Spezifische Bestimmung | 13316-5 |
Not detected |
| VRE wurde gesucht und nicht gefunden (molekular) | Spezifische Bestimmung | 105904-7 |
Not detected |
| Ein vorliegender Enterococcus ist kein VRE | Resistenzkategorie-Status | vre-status |
Negative |
Der Resistenzkategorie-Status bewertet immer eine benannte Kategorie. Die Aufnahme einer Kategorie ist fachlich zu begründen; nicht jede einzelne antimikrobielle Resistenz ist eine Resistenzkategorie. Insbesondere erfolgt keine implizite Ableitung aus dem SNOMED-Unterbaum „antimicrobial resistant organism".
| Code | Kategorie | Bewertungsgrundlage |
|---|---|---|
mrsa-status |
MRSA | Staphylococcus aureus + Methicillin-/Oxacillinresistenz (phänotypisch oder mecA/mecC) |
vre-status |
VRE | Enterococcus + Vancomycinresistenz (phänotypisch oder vanA/vanB) |
lre-status |
LRE | Enterococcus + Linezolidresistenz |
lvre-status |
LVRE | Enterococcus + Linezolid- und Vancomycinresistenz |
Für gramnegative Erreger mit einer MRGN-Klassifikation erfolgt die Abbildung über die MRGN-Klasse. Dort wird das Ergebnis der MRGN-Bewertung als 2MRGN, 3MRGN, 4MRGN oder keine-mrgn-klasse angegeben.
Ein Antibiogramm ist kein Ergebnis, sondern viele — je getestete Substanz eine
Observation. Die HL7 EU Lab Semantic Workgroup empfiehlt, sie über eine
Organizer-Observation zusammenzuhalten: eine Observation, die den Panel-Code
29576-6 |Bacterial susceptibility panel| trägt und selbst kein value[x] hat
und die über Observation.hasMember auf die Einzelergebnisse zeigt. Der Organizer
verweist seinerseits über die triggeredBy-Extension auf die Identifizierung, der
er gefolgt ist.
Observation: Bacterial susceptibility panel (29576-6), ohne Wert
triggeredBy → Observation: Erreger identifiziert
hasMember → Observation: Meropenem [Susceptibility], MHK 0,5 mg/L, S
hasMember → Observation: Ciprofloxacin [Susceptibility], MHK 4 mg/L, R
Die drei Mechanismen haben verschiedene Aufgaben und sind nicht gegeneinander austauschbar:
| Verwendung | |
|---|---|
hasMember |
Gruppierung — ein Panel, das ein Organizer zusammenhält |
triggeredBy |
Reflex — die spätere Untersuchung verweist zurück auf ihren Auslöser |
derivedFrom |
Ableitung — ein Ergebnis, das aus einem anderen berechnet oder interpretiert wurde |
triggeredBy ist insbesondere kein Gruppierungsmechanismus. Und derivedFrom
läuft vom abgeleiteten Ergebnis zu seiner Grundlage, nicht umgekehrt: Ein
qualitativer Nachweis trägt derivedFrom auf den
Ct-Wert, aus dem er abgelesen
wurde, niemals andersherum.
Dieser Leitfaden beschreibt das Muster, profiliert es aber nicht.
Observation.hasMember steht unbeschränkt aus dem Labor-Basisprofil zur
Verfügung, und ein Organizer-Profil erzeugte ein eigenes Canonical für etwas, das
FHIR bereits regelt.
Ein positiver zielgerichteter Nachweis kann Folgediagnostik auslösen:
Positiver zielgerichteter Nachweis
(Spezifische Bestimmung, jedes Verfahren)
│
│ triggeredBy (reflex)
▼
ggf. weiterführende Identifikation
│
│ triggeredBy (reflex)
▼
Empfindlichkeit
│
├── ggf. Resistenzmechanismen / Determinanten
│
│ derivedFrom
▼
Resistenzkategorie-Status
z. B. VRE-Status
Positive / Negative
Bei einem bereits erregerspezifischen Nachweis ist das Ziel im Testcode definiert. Nach MRSA detected oder VRE detected muss keine separate Identifikation folgen. Entfällt sie, verweist die Empfindlichkeit direkt auf den Nachweis und der Resistenzkategorie-Status führt sie nicht in derivedFrom.
Für die auslösende Beziehung wird die R5-Backport-Extension extension-Observation.triggeredBy mit type = reflex verwendet, wie unter FHIR-Profile beschrieben. Der letzte Schritt bildet die dort genannte Ausnahme: Der Resistenzkategorie-Status wird aus mehreren Untersuchungen abgeleitet und ist keine ausgelöste Folgeuntersuchung — hier trifft derivedFrom die Semantik. Diese Untersuchungen SOLLTEN angegeben werden, damit die Bewertungsgrundlage nachvollziehbar bleibt.
Vollständiges Beispiel einer Kette:
Schritt 1 — positiver VRE-Nachweis mittels erregerspezifischer Kultur:
mii-exa-mikrobio-workflow-vre-01-kultur
Schritt 2 — weiterführende Identifikation des Isolats (optional):
mii-exa-mikrobio-workflow-vre-02-identifikation
Schritt 3 — Empfindlichkeitstestung:
mii-exa-mikrobio-workflow-vre-03-empfindlichkeit
Schritt 4 — abgeleiteter Resistenzkategorie-Status: