MII IG Kerndatensatz-Modul Onkologie
2027.0.0-ballot.1 - Germany

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Anleitung

Abweichungen zum oBDS

Der vorliegende Implementation Guide beschreibt eine Umsetzung des oBDS in FHIR. Eine reine 1:1-Abbildung des kompletten Datensatzes ist weder inhaltlich noch technisch sinnvoll. Die wichtigsten Abweichungen:

Inhalte

Das KDS-Modul Onkologie beinhaltet diejenigen Gruppen des oBDS, die vor allem klinisch-diagnostische und therapeutische Datenpunkte umfassen. Mehrere Gruppen wurden daher nicht in FHIR implementiert:

  • Die personenbezogenen Gruppen
    • Gruppe 3: Patienten-Stammdaten
    • Gruppe 4: Melder-Stammdaten
    • Gruppe 7: Einsender
    • Gruppe 22: Operateur
    • Gruppe 25: Zusätzliche Kontakte
  • Die administrativen und meldungsbezogenen Gruppen
    • Gruppe 1: Meldung
    • Gruppe 2: Zentrum
    • Gruppe 21: Anmerkungen

Die organspezifischen Module waren nicht Teil der ersten Profilierung, sind aber seit der Version 2026 Teil des Moduls Onkologie: Modul Prostata, Modul Mamma, Modul Melanom, Modul Kolon.

Kardinalitäten

Der oBDS ist hauptsächlich für die Datenmeldung an die Krebsregister optimiert worden. In den ersten Versionen wurden die Kardinalitäten größtenteils aus dem oBDS übernommen, sind teilweise aber „weicher" eingestellt, um gerade in einem ersten Schritt Zugang zu einer breiteren Datenbasis zu bekommen.

Einbindung von Terminologien und Codesystemen

Um eine Auswertbarkeit durch das Forschungsdatenportal Gesundheit (FDPG) zu gewährleisten, verlangt die Angabe der Medikation bei Systemischer Therapie eine Kodierung mittels ATC. Freitext ist weiterhin als zusätzliche Angabe möglich.

Validierung

Im oBDS-XML-Schema ist eine Reihe von Validierungen vorgesehen, die die Datenqualität und -vollständigkeit überprüfen. Diese sind technisch nicht mit implementiert. Es ist davon auszugehen, dass die oBDS-Daten in den Primärsystemen der Tumordokumentation zumindest so weit validiert werden, dass ein Export ins XML-Format möglich ist. Weitere Validierungen (z. B. sich gegenseitig ausschließende Datenfelder) könnten bei Bedarf in Zukunft vorgenommen werden — erforderlich, wenn das Modul über seinen derzeitigen Zweck hinaus als Datenerhebungsgrundlage für Primärsysteme dienen soll.

Inhalte der Module und Profile

Im oBDS sind die Datenfelder an die Meldestruktur gebunden; Gruppen mit unterschiedlichen Kardinalitäten sind häufig getrennt gelagert. Wichtige Änderungen auszugsweise:

  • die Diagnose enthält Teile der Histologie-Gruppe (ICD-O-Topographie, ICD-O-Morphologie),
  • die Gruppen Tumorkonferenz und Therapieempfehlung wurden im FHIR-Profil Tumorkonferenz/Therapieempfehlung (CarePlan) zusammengelegt,
  • der Allgemeine Leistungszustand kann sowohl als ECOG als auch als Karnofsky kodiert werden (eine ursprüngliche Zusammenlegung der Datenpunkte wurde nach der Kommentierungsphase verworfen).

Bezug zu nationalen Standards

German OncoLogical Data Standard (GOLD)

Das Projekt GOLD wurde vom Vision-Zero e. V. initiiert und zielt auf die Abbildung einer kompletten onkologischen Patient Journey ab. Das Datenmodell und die dazugehörigen Profile wurden von existierenden Datenmodellen aus Versorgung, Forschung und Industrie abgeleitet. Die ersten FHIR-Profile mit Fokus auf Diagnose und Klassifikationen sind in mehrere weitere Projekte eingeflossen, z. B. die Basisprofile Onkologie von HL7 Deutschland und das MII-Modul Befunde bildgebender Verfahren. Aktuelle Version: vision-zero-oncology.github.io/GOLD

Basisprofile Onkologie von HL7 Deutschland

In den Basisprofilen Onkologie wurden insbesondere 2022 Profilierungsarbeiten für eine Grundlage der einheitlichen Verwendung von FHIR-Ressourcen im onkologischen Sektor geliefert. Die Arbeiten ruhen seit der Kommentierung 2022; mittlerweile verweisen die Basisprofile Onkologie auf das hier vorliegende KDS-Modul Onkologie der MII.

Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK)

Das interne Datenmodell des DKTK nutzt aus den Tumordokumentationssystemen aufbereitete oBDS-Daten im FHIR-Format als Austauschmedium (simplifier.net/oncology). Das ursprüngliche Informationsmodell des KDS-Moduls Onkologie war stark am DKTK-Modell orientiert. Die Profilierung unterscheidet sich jedoch insofern, als die DKTK-Profile in sich abgeschlossen sind, während ein MII-Modul möglichst gut mit den MII-Basismodulen (v. a. Diagnose, Prozedur, Medikation) und bereits bestehenden KDS-Modulen arbeiten soll. Eine der Hauptmodellierungsentscheidungen war daher die Verwendung der MII-Diagnose und MII-Medikation sowie die Darstellung von OPs, Strahlentherapien und systemischen/abwartenden Therapien als MII-Prozeduren.

Modellvorhaben Genomsequenzierung (§ 64e SGB V)

Das Modellvorhaben Genomsequenzierung sieht die Erhebung eines Datenkranzes bei einer Next-Generation-Sequenzierung (NGS) onkologischer Patienten vor. Der Datenkranz beinhaltet Informationen zur diagnostischen und therapeutischen Vorgeschichte, zur molekulargenetischen Beschreibung des Tumors, zu Empfehlungen zu Studienteilnahmen und systemischen Therapien sowie Follow-up-Informationen. Ein ähnlicher Datenkranz für Seltene Erkrankungen wird zukünftig im Modul Seltene Erkrankungen abgebildet.

Das logische Modell des Datenkranzes ist als Logical Model mii-lm-mvgenomseq-onkologie abgebildet; das Mapping der Datenelemente auf den MII-KDS liegt als ConceptMap mii-cm-onkologie-to-mvgenomseq vor (in Arbeit).

Bezug zu internationalen Standards

OSIRIS, Frankreich

Das französische Common Data Model „Interoperability and data sharing of clinical and biological data in oncology" (OSIRIS) umfasst zwei unabhängige Kerndatensätze: einen klinischen und einen genomischen Teil; ein dritter Teil zu Imaging und Strahlentherapie ist in Arbeit. Der OSIRIS-Datensatz modelliert die zeitliche Darstellung vor allem um sogenannte „Tumor Events" (Erstdiagnosen oder Verlaufsbeobachtungen). Weitere Informationen: PMC8140800; englische Version des Datensatzes auf GitHub.

Anwendungsszenario einer leitliniengerechten Behandlung

Der oBDS dient als Grundlage für die Krebsregistermeldungen an die Landeskrebsregister. Die vorliegende Profilierung hat den Anspruch, die Daten, die bei der Krebsregistrierung anfallen, für andere Forschungsfelder nutzbar zu machen. Bei der FHIR-Abbildung des untenstehenden Beispiels wird klar, dass Informationen zu bildgebenden Verfahren, zu detaillierten Behandlungs- und Bestrahlungsschemata und zu genetischen Varianten außerhalb der Krebsregisterdaten in detaillierter Form vorliegen.

Disclaimer: Der Therapieverlauf entspricht einer möglichen leitliniengerechten Therapie; Daten und Verlauf sind für Testzwecke konstruiert, Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Krankheitsverläufen sind zufällig.

Textuelle Darstellung des beispielhaften Therapieverlaufs

  • Kim Musterperson, geb. 14.03.1956
  • 10.06.2021 CT Abdomen mit KM: V. a. Peritonealkarzinose, Aszites im gesamten Bauchraum, Raumforderung Ovar rechts. Mesenteriale retroperitoneale LK-Metastasen, V. a. Lebermetastasierung
  • 15.06.2021 Aszitespunktion: mit malignen Tumorzellen. Zytologisch mögliches Ovarial-CA.
  • 22.06.2021 CT Thorax: kein Hinweis auf Metastasen.
  • Tumorboard 25.06.2021: Eindeutiges CT-Korrelat und zytologisch ED Ovarial-CA. Neoadjuvante Chemotherapie mit 3 Zyklen Carboplatin/Paclitaxel, Intervall-Debulking im Verlauf (Zyklen 05.07.–05.09.2021).
  • 15.09.2021 CT Thorax/Abdomen: Peritonealkarzinose zunehmend, metastasensuspekte Lymphknoten retroperitoneal, V. a. konstante Lebermetastasierung
  • 16.09.2021 Tumorboard: Deutlicher Tumorprogress. OP zur histologischen Sicherung bereits geplant, optimales Debulking anstreben.
  • 30.09.2021 OP: Intervalldebulking mittels Längsschnittlaparotomie, Tumorresektion mittels Hysterektomie, bilateraler Adnexektomie und atypischer Lebersegmentresektion (Seg. II und V). Postoperativ: R0.
  • Pathologischer Bericht (Resektat vom 30.09.2021): Neoplasie des Ovars (Z. n. neoadjuvanter Therapie, ICD-10 C56); Ovar o. n. A. (ICD-O C56.9); WHO-Typ: Seröses Adenokarzinom (ICD-O M-8441/3). Lokale Tumorausbreitung: Ovartumor links, max. 2,2 cm, tumorinfiltrierte Kapsel mit Nachweis von Tumorzellen auf der Ovaroberfläche, vitale Tumorzellen ca. 80 %. UICC-Klassifikation (8. Auflage): ypT3c pM1b (HEP) L1 V0 Pn0, FIGO IVB. Immunhistochemie (Auszug): vereinzelt kräftige nukleäre Expression des Progesteronrezeptors, Positivität für p16, MIB-1 max. 38 %.
  • Tumorboard 25.10.2021: Durch OP makroskopische Komplettresektion erreicht, jedoch Progress unter Neoadjuvanz → Umstellung auf Carboplatin/Gemcitabin; humangenetische Vorstellung empfohlen.
  • Systemische Therapie: 3 Zyklen Carboplatin AUC 4 d1, Gemcitabin 1000 mg/m² d1+d8, Wdh. d22 (08.11.2021–09.01.2022).
  • 15.01.2022 CT Abdomen: Regredienz der bekannten Peritonealkarzinose; Leber ohne eindeutigen Hinweis auf Metastasierung.
  • 20.01.2022 Tumorboard: Erhaltungstherapie mit Niraparib bei BRCAwt; Restaging in 3 Monaten.
  • 25.01.2022 Beginn Niraparib 300 mg d1–28, Wdh. d28.

Grafische Darstellung des beispielhaften Therapieverlaufs

Beispielhafter Therapieverlauf Kim Musterperson