MII IG Kerndatensatz-Modul Onkologie
2027.0.0-ballot.1 - Germany

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MolGen-Abbildung der Variantentypen

Zweck

Das oBDS erfasst genetische Varianten grobkörnig (Freitext-Bezeichnung + eine Ausprägung aus M/W/P/N/U oder ersatzweise Freitext, oBDS 23.1/23.2 — siehe Abschnitt Ausprägungen der Genetik-Meldung). Für eine strukturierte, interoperable Abbildung SOLLTE — wo verfügbar — der MII Molekulargenetische Befundbericht (MolGen) verwendet werden, der auf dem HL7-Clinical-Genomics Genomics Reporting IG basiert und internationale Nomenklaturen nutzt (HGNC, HGVS, ISCN, Sequence Ontology).

Diese Seite gibt für die in der onkologischen Praxis typischen Varianten- und Markertypen eine konkrete Empfehlung, mit welcher MolGen-Struktur (Stand molgen 2026.x, gültig auch für 2027) sie abzubilden sind. Grundlage ist eine Beispiel-Markerliste (57 Gene, ~300 Gen×Varianten-Kombinationen); die Empfehlung ist bewusst nicht normativ, sondern eine Umsetzungshilfe.

Profil-Referenz: MII_PR_MolGen_Variante (Parent: http://hl7.org/fhir/uv/genomics-reporting/StructureDefinition/variant)

Übersicht: Markertyp → MolGen-Repräsentation

oBDS-/Listen-Typ Beispiel Empfohlene MolGen-Abbildung
Gen (Identität) BRAF, ALK Variante.component:gene-studied → HGNC (http://www.genenames.org/geneId)
Spezifische Mutation (Protein) BRAF V600E = p.Val600Glu component:representative-protein-hgvs (p.HGVS)
Spezifische Mutation (DNA) c.1799T>A component:representative-coding-hgvs (c.HGVS)
Formel / HGVS-Freitext beliebige HGVS-Angabe passende *-hgvs-Komponente; sonst value/note
Exon-Angabe EGFR Exon 19, FGFR2 Exon 12 component:dna-region (LOINC 47999-8, DNA-Regionsname) ggf. + exact-start-end
Fusion EML4::ALK, BCR::ABL1 component:gene-fusion → HGNC-Paar GEN1::GEN2 (ValueSet hgnc-vs)
Amplifikation ERBB2/HER2 Amplifikation component:copy-number (Kopienzahl)
Translokation / Rearrangement del(17)(p13), ROS1-Rearr. component:cytogenetic-location (ISCN)
LOH / Ko-Deletion LOH 1p/19q component:cytogenetic-location bzw. copy-number
Promoter-Hypermethylierung MGMT Sonderfall — eigene Methylierungs-Observation (LOINC), nicht als Variante
Unbekannt Gen ohne Detailangabe component:gene-studied + value = unbestimmt
IHC-Marker PD-L1, HER2 IHC, p16, p53 Kein Variant → MII_PR_MTB_Immunohistochemistry (Modul Molekulares Tumorboard)

Übermittlungsnotation der §65c-Markerliste

Die Markerliste der §65c-Plattform (Genetische Marker, Stand 2023-11-27, ~300 Gen×Varianten-Kombinationen) gibt für die Übermittlung eine feste Zwei-Positionen-Notation vor, die in Bezeichnung mit || kombiniert wird:

  • 1. Position — Gen: HGNC-Symbol aus der Gen-Liste der Markerliste. Die Liste führt daneben auch Pseudo-Einträge, die keine Gene sind (IHC-Marker wie ALK_IHC/HER2_IHC sowie zytogenetische Angaben wie del(17)(p13)) — für die FHIR-Abbildung gelten die Sonderfälle der Tabelle oben (IHC → MTB-Profil, Zytogenetik → cytogenetic-location).
  • 2. Position — Weitere Information, je nach Art der Angabe:
Art (Liste) Notation 2. Position Beispiel
<Formel> Formel „beispielsweise nach HGVSp oder HGVSc" (amtlicher Wortlaut) p.Val600Glu, c.1799T>A
spez. Mutation Codonebene: Gensymbol-Codon BRAF-V600
Exon Exon <Nr> Exon 19
Fusion GEN1::GEN2, optional mit nachgestellter Zusatzmutation EML4::ALK, BCR::ABL1 T315I
Amplifikation / Translokation / Rearrangement / Promoter Hypermethylierung Schlüsselwort wörtlich Amplifikation
IHC leer (Score über Sonstige_Auspraegung) —
<Freitext> freie Angabe für nicht gelistete Veränderungen —
Unbekannt leer —

Für die strukturierte FHIR-Sicht ist diese Notation der Parser-Vertrag: Aus

  1. Position wird gene-studied (HGNC), aus der 2. Position je nach Art die passende Komponente der Markertyp-Tabelle oben (HGVS-Formeln nach *-hgvs, GEN1::GEN2 nach gene-fusion — eine nachgestellte Zusatzmutation wie T315I wird als eigene HGVS-Komponente derselben Variante geführt).

Erläuterungen zu Sonderfällen

Gen-Identität (HGNC). Die Gensymbole der Liste sind bereits HGNC-approved Symbole. In MolGen wird das Gen strukturiert über gene-studied (HGNC) geführt; die oBDS-Freitextangabe Observation.note entfällt damit für die strukturierte Sicht.

Exon-Ebene. Angaben wie „Exon 19" beschreiben keine Einzelvariante, sondern eine Region. MolGen/Genomics Reporting bildet dies über dna-region (benannte DNA-Region) ab — ein eigenes GA4GH-Cat-VRS ist dafür nicht erforderlich. Cat-VRS bleibt echten Kategorien vorbehalten (z. B. „jede aktivierende EGFR-Mutation") und ist perspektivisch (post-2027) zu betrachten.

Fusionen. gene-fusion.value ist an das HGNC-ValueSet gebunden und erwartet die Notation GENSYMBOL1::GENSYMBOL2 (z. B. EML4::ALK). Reine „Fusion ohne Partner"-Angaben werden über das untersuchte Gen (gene-studied) + Fusions-Flag geführt.

IHC-Marker (MTB). Immunhistochemische Marker (PD-L1, HER2-IHC, p16, p53, panTRK, ROS1-IHC …) sind Protein-Expressionsbefunde, keine Sequenzvarianten. Das MII-Erweiterungsmodul Molekulares Tumorboard (MTB) stellt dafür dedizierte Profile bereit (Basis: MII_PR_MTB_Immunohistochemistry, Parent MII_PR_MTB_Molekularer_Biomarker):

Marker MTB-Profil Code (autoritativ)
generisch (alle IHC) mii-pr-mtb-immunohistochemistry SNOMED 1234806008 „Observation using immunohistochemistry" + Ziel via component:gene-studied
HER2-IHC mii-pr-mtb-immunohistochemistry-her2 LOINC 18474-7 „HER2 Ag [Presence] in Tissue by Immune stain"
PD-L1-IHC mii-pr-mtb-immunohistochemistry-pdl1 Scores: NCIt C184941 (TPS), C176582 (CPS), C199175 (ICS), LOINC 83053-9 (TC)
MMR (dMMR/pMMR) mii-pr-mtb-immunohistochemistry-mmr LOINC pro Protein: MLH1 81691-8, MSH2 81692-6, MSH6 81693-4, PMS2 81694-2

Für Marker ohne spezifisches Profil (p16, p53, panTRK, ROS1-IHC …) das Basis-Profil mii-pr-mtb-immunohistochemistry mit generischem SNOMED-Code plus component:gene-studied verwenden.

Hinweis (Architektur & Reifegrad): Das MTB-Modul integriert genetische Befunde oberhalb von Onkologie und MolGen — es deklariert selbst kerndatensatz.onkologie und kerndatensatz.molgen als Dependencies. Onkologie kann MTB daher nicht als Dependency aufnehmen (Zirkelbezug); die MTB-Referenzen hier sind dokumentarisch (empfohlener Zielort), nicht technisch aufgelöst. Die beteiligten Module befinden sich in Draft/STU/Trial-Use — diese Zuordnung ist eine Orientierungshilfe und kann sich mit der Reifung von MolGen/MTB noch ändern.

IGHV-Mutationsstatus (CLL). In der §65c-Markerliste steht IGHV als ein Eintrag — fachlich verbergen sich dahinter zwei Angaben, die getrennt abzubilden sind:

  • Das rearrangierte V-Segment (prognostisch relevant, z. B. IGHV3-21) gehört als Gen-Angabe nach component:gene-studied. HGNC führt keine Sammelentität „IGHV", sondern die 167 Einzelsegmente — sie stehen im ValueSet mii-vs-onko-ighv-gensegmente-hgnc.
  • Mutiert oder unmutiert ist dagegen kein Gen, sondern das Ergebnis: Der oBDS bildet es über die Ausprägung ab (M = Mutation, W = Wildtyp/nicht mutiert), in FHIR also über den Wert der Varianten-Observation (valueCodeableConcept, Present/Wild type). Es braucht dafür keine eigene Statusressource — siehe die Ausprägungstabelle weiter unten.

Ausprägungen der Genetik-Meldung (§65c / oBDS Menge_Genetik_Typ)

Der Markertyp (Tabelle oben) ist nur die eine Achse der Meldung. Die zweite Achse ist die Ausprägung des Befundes. Der oBDS-Typ Menge_Genetik_Typ sieht je Genetische_Variante genau eine Angabe vor — entweder einen Code aus der Auswahlliste Auspraegung oder das Freitextfeld Sonstige_Auspraegung (xs:choice). Die Auswahlliste umfasst fünf Codes; die Modul-Terminologie ergänzt S als Code für den Freitextfall.

oBDS-Code Bedeutung (oBDS-XSD) SNOMED CT (Modul-ConceptMap) Empfehlung MolGen/FHIR
M Mutation/positiv 55446002 Genetic mutation (finding) Observation.value[x] = LOINC LA9633-4 „Present" (zu Observation.code = LOINC 69548-6)
W Wildtyp/nicht mutiert/negativ 412730000 Genetic finding not detected (finding) Negativbefund; ergänzend component:coding-change-type (LOINC 48019-4) = SO SO:0002073 no_sequence_alteration (LOINC-Äquivalent LA9658-1 „Wild type")
P Polymorphismus 50334000 Genetic polymorphism (finding) Variante vorhanden (value[x] = LA9633-4); die Bewertung als Polymorphismus gehört nicht in die Variante, sondern in eine eigene Befund-Interpretation (Genomics-Reporting-Profil diagnostic-implication)
N nicht bestimmbar 1156316003 Cannot be determined (qualifier value) kein value[x]; stattdessen Observation.dataAbsentReason, z. B. not-performed
U unbekannt 261665006 Unknown (qualifier value) kein value[x]; Observation.dataAbsentReason = unknown
S Sonstiges (Modul-Ergänzung für Sonstige_Auspraegung) 74964007 Other (qualifier value) Freitext nach Observation.note; strukturiert nur, soweit der Inhalt einem der obigen Fälle entspricht

Die SNOMED-Spalte gibt die im Modul gepflegte ConceptMap mii-cm-onko-genetische-variante-auspraegung-sct wieder und ist damit für das Modul verbindlich. Die MolGen-Spalte ist — wie die Markertyp-Tabelle oben — eine nicht normative Umsetzungsempfehlung.

Verhältnis zur Beispiel-Markerliste. In der zugrunde liegenden Markerliste ist bei nahezu allen Zeilen nur M/W vorgesehen; P, N und U kommen dort nicht vor, und die immunhistochemischen Zeilen (Scores 0/+/++/+++ bzw. IC/TPS/CPS) verweisen bereits auf den Freitextweg Sonstige_Auspraegung. Die Liste ist damit eine Teilmenge der oBDS-Systematik, kein abweichender Wertebereich.

Quellen. Maßgeblich für die Ausprägungsliste ist der Typ Menge_Genetik_Typ des oBDS-XML-Schemas (oBDS_v3.0.4.xsd / oBDS_v3.0.5.xsd, dort unverändert), fachlich beschrieben in der §65c-Plattformdokumentation: Menge_Genetik_Typ. Gen und Variante werden in Bezeichnung derzeit mit dem Trennzeichen || kombiniert übermittelt — dieser zusammengesetzte Freitext ist der Ausgangspunkt der Markertyp-Zuordnung in der Tabelle oben.

Fallback (oBDS-Direktmapping)

Ist MolGen an einem Standort nicht implementierbar, gilt weiterhin das Direktmapping der oBDS-Felder gemäß dem Profil Genetische Variante: Observation.note (Variante Name) und Observation.interpretation (Ausprägung).

Stand der Umsetzung

Diese Seite ist die fachliche Dokumentationsgrundlage für die Abbildung der Variantentypen. Die tiered-Strategie ist teilweise profiliert:

  • Umgesetzt (v2027): Die Gen-Identität ist strukturiert profiliert — Observation.component:gene-studied ist im Profil MII_PR_Onko_Genetische_Variante extensible an das ValueSet mii-vs-onko-marker-gene-hgnc gebunden (40 HGNC-Gene der §65c-Markerliste). Extensible bedeutet: Die Liste deckt die gebräuchlichen onkologischen Marker-Gene ab, weitere Gene sind ausdrücklich zulässig. Der Freitext-Genname nach oBDS 23.1 bleibt in note.text erhalten.
  • Weiterhin Empfehlung (nicht profiliert): Markertyp-Codes über LOINC sowie kategoriale Varianten (Exon, Fusion, Amplifikation) über GA4GH Cat-VRS — hier ist die FHIR-Bindung noch zu jung für verbindliche Constraints. Der jeweils aktuelle Stand sowie die daraus entstehenden Profile und ValueSets werden in den Release Notes des Moduls geführt.